Kein Anlass
Der Newsletter geht raus, wenn gerade Zeit ist, nicht wenn ein Objekt da ist. Für Kaufinteressenten zählt aber nur der passende Anlass.
Wie Maklerbüros erkennen, dass ihr Käufer
Mit der Signal-Checkliste für Ihr CRM, der Objekt-Kontakt-Matrix, einer Newsletter-Vorlage und dem Gerüst für den Erstanruf danach.
AUSGABE 2026
Gründer und CEO von Keystate
Niklas Bösch arbeitet seit Jahren an einer Frage, die in fast jedem Maklerbüro offen ist: Warum kaufen Büros jeden Monat neue Kontakte ein, während hunderte alte Anfragen unangefasst im CRM liegen? Aus dieser Frage ist Keystate entstanden. Aus den Antworten ist dieser Report entstanden.
Dieser Report ist kein Text gegen Lead-Portale. Portale liefern Reichweite, und für manche Büros ist das der richtige Kanal. Der Report zeigt den Weg, der davor kommt: erst die eigenen Kontakte lesen, dann entscheiden, ob Sie überhaupt nachkaufen müssen.
Alles hier Beschriebene funktioniert mit einer Excel-Tabelle und Ihrem bestehenden CRM. Mit Keystate geht es schneller und automatisch. Nötig ist es nicht. Der Report hat seinen Zweck erfüllt, wenn Sie danach Ihre eigene Liste mit anderen Augen lesen.
Ein durchschnittliches Maklerbüro sammelt über die Jahre tausende Kontakte: Exposé-Anfragen, Besichtigungsteilnehmer, Newsletter-Abonnenten, alte Kaufinteressenten. Die wenigsten davon haben je wieder etwas gehört. Dieser Report beantwortet fünf Fragen zu genau diesem Bestand.
Die drei Gründe, aus denen Kontakte liegen bleiben, und welcher davon Sie Aufträge kostet.
Sechzehn Aktionen aus Öffnungen, Klicks und Anfragen, gewichtet nach Aussagekraft.
Der Ablauf in sechs Schritten, vom Anlass bis zur Anrufliste. Funktioniert ab 300 Kontakten.
Das Match über vier Filter: Preis, Lage, Zimmerzahl und letzte Aktivität.
Der Übergang von der digitalen Reaktion zum Anruf, mit Zeitfenstern und Formulierungen.
Jede Anfrage, die Ihr Büro je erreicht hat, war einmal teuer. Sie hat Anzeigenbudget gekostet, Portalgebühren oder schlicht Arbeitszeit. Bezahlt ist sie längst. Trotzdem behandeln die meisten Büros ihren Bestand wie ein Archiv: Was einmal nicht gekauft hat, gilt als erledigt.
Dabei ist ein Nein fast nie ein Nein für immer. Es ist ein Nein zu einem bestimmten Objekt, zu einem bestimmten Preis, in einem bestimmten Monat. Der Interessent, der im März die Doppelhaushälfte nicht genommen hat, sucht im August noch immer. Nur fragt er nicht mehr bei Ihnen an, wenn er von Ihnen nichts mehr hört.
Drei Gründe, aus denen ein Bestand still liegt:
Der Newsletter geht raus, wenn gerade Zeit ist, nicht wenn ein Objekt da ist. Für Kaufinteressenten zählt aber nur der passende Anlass.
Niemand erinnert sich an 2.000 Kontakte. Ohne Filter nach Preis, Lage und Zimmerzahl bleibt nur der Rundbrief an alle.
Die Sichtung wirkt wie ein Projekt, also gewinnt das Tagesgeschäft. Mit dem Ablauf aus Kapitel 3 sind es zwei bis drei Stunden.
Ein Bestand wirkt stumm, solange man nur Namen und Adressen sieht. Er wird lesbar, sobald Sie Aktionen betrachten: Wer öffnet, wer klickt, wer fragt nach. Jede dieser Aktionen ist ein Signal, aber nicht jedes Signal wiegt gleich viel.
Zählen Sie je Kontakt die Punkte der letzten 90 Tage zusammen. Die Schwellenwerte für die Auswertung stehen im Arbeitsteil 1 am Ende des Reports.
Zwei Hinweise, damit die Punktzahl ein Kompass bleibt und kein Orakel wird.
Ein einzelnes Signal beweist nichts. Eine geöffnete Mail kann ein Daumen auf dem Display sein. Ein Klick kann Neugier sein, Langeweile oder ein Kollege, dem die Mail weitergeleitet wurde. Erst die Kombination trägt: Öffnung plus Klick plus derselbe Objekttyp in zwei Mails hintereinander ist kein Zufall mehr, das ist eine Suche.
Frische schlägt Höhe. Sechs Punkte aus der letzten Woche sind mehr wert als zwölf Punkte aus dem letzten Quartal. Interesse an Immobilien hat eine Halbwertszeit. Wer heute klickt, sucht heute. Was älter als 90 Tage ist, zählt deshalb nicht in die Punktzahl, sondern nur in die Historie.
Was die Punktzahl nicht ersetzt: das Gespräch. Die Checkliste sagt Ihnen, bei wem sich der Anruf zuerst lohnt. Ob aus dem Anruf ein Besichtigungstermin wird, entscheidet sich am Telefon, nicht in der Tabelle. Das Gerüst für diesen Anruf finden Sie im Arbeitsteil 4.
Der häufigste Fehler bei der Bestandsarbeit ist der Versuch, die Liste von A bis Z abzuarbeiten. Das fühlt sich gründlich an und bricht nach fünfzig Kontakten ab. Der bessere Weg dreht die Logik um: Sie arbeiten nicht die Liste ab, Sie arbeiten vom Anlass aus.
Ein neues Objekt, eine Preissenkung, ein verkauftes Vergleichsobjekt. Ohne Anlass keine Mail.
Preisspanne plus minus 15 Prozent, Lage im Suchgebiet, Zimmerzahl plus minus eins. Was nicht passt, bekommt die Mail nicht.
Zuerst Kontakte mit Signal in den letzten 90 Tagen, dann 91 bis 365 Tage, dann der Rest.
Die aktivste Gruppe zuerst. So sehen Sie an der Reaktion der ersten Gruppe, ob Betreff und Objekt tragen.
Öffnungen und Klicks laufen in den ersten 48 Stunden ein. Wer klickt, kommt auf die Anrufliste.
Mit Bezug auf die Reaktion, nicht als Kaltakquise. Die Formulierung steht in Kapitel 5.
Dieser Ablauf skaliert, weil die Filter die Arbeit machen. Ob Ihr Bestand 500 oder 50.000 Kontakte hat: Nach Schritt 2 bleiben für ein konkretes Objekt selten mehr als ein paar Dutzend Empfänger übrig. Um die kümmern Sie sich persönlich.
Beispiel: 3.526 Kontakte im Bestand, neues Objekt für 465.000 Euro mit fünf Zimmern
Vier Filter reichen, um aus einem großen Bestand die richtigen Empfänger für ein Objekt zu ziehen. Mehr Filter machen das Match nicht besser, sie machen die Liste nur leerer.
Das Budget aus der letzten Anfrage des Kontakts, plus minus 15 Prozent. Wer 400.000 angefragt hat, bekommt auch das Objekt für 450.000 zu sehen.
Spanne: ± 15 %Postleitzahl oder Umkreis um den letzten Suchort. In Städten eher PLZ-genau, auf dem Land eher als Radius von 15 bis 25 Kilometern.
Stadt: PLZ · Land: UmkreisPlus minus ein Zimmer um die letzte Anfrage. Familien wachsen, Ansprüche ändern sich. Wer drei Zimmer suchte, nimmt oft auch vier.
Spanne: ± 1 ZimmerBestimmt nicht ob, sondern wann ein Kontakt die Mail bekommt. Aktive zuerst, Stille später. So belohnt das System echtes Interesse.
Sortierung, kein AusschlussDer Effekt zeigt sich in den Reaktionen. Ein Rundbrief an 2.000 Kontakte erzeugt vor allem Abmeldungen. Dieselbe Mail an die 60 passenden Kontakte erzeugt Rückfragen. Nicht weil der Text besser wäre, sondern weil er beim Richtigen ankommt.
Hier scheitern die meisten Abläufe. Die Mail geht raus, die Klicks laufen ein, und dann passiert: nichts. Dabei ist genau dieser Moment der Unterschied zwischen einem Newsletter und einem Vertriebskanal.
Gestaffelt nach Aktivität, wie in Kapitel 3 beschrieben. Versand am Vormittag, dann liegt die Reaktion am selben Tag.
Öffnungen, Klicks, Rückfragen. Wer auf Fotos oder Grundriss klickt, gehört auf die Anrufliste für den nächsten Vormittag.
Nicht kalt, sondern konkret: der Kontakt hat sich gestern das Objekt angesehen. Genau das ist der Gesprächseinstieg.
Anderer Betreff, gleiches Objekt, ein neues Detail. Wer zweimal öffnet und dann klickt, rückt auf die Anrufliste nach.
Preisänderung, Besichtigungstermin, Vergleichsobjekt. Ein zweiter Kontakt braucht einen zweiten Grund, sonst wirkt er wie Druck.
Der Satz, der den Anruf trägt: „Guten Tag Frau Sommer, Niklas Bösch von [Büro]. Sie haben sich gestern die Doppelhaushälfte in Rissen angesehen. Ich rufe an, bevor wir die ersten Besichtigungen vergeben: Passt das Objekt grundsätzlich zu dem, was Sie suchen?“ Kein Skript, kein Druck. Ein Anruf mit Grund.
Die 0,05 Euro sind ehrlich gerechnet: 179 Euro Monatsbeitrag geteilt durch 3.526 Bestandskontakte eines realen Kundenkontos. Ihr Wert hängt an Ihrer Bestandsgröße. Bei 1.000 Kontakten sind es 18 Cent, bei 10.000 sind es 2 Cent. In jedem Fall liegt eine Größenordnung zwischen den beiden Wegen.
Entscheidend sind aber die Kosten je Auftrag, nicht je Kontakt:
| Weg | Rechenweg | Kosten je Auftrag |
|---|---|---|
| Portal-Lead, unqualifiziert | 54,17 € je Lead geteilt durch 5 % Abschlussquote | 1.083 € |
| Portal-Lead, konsequent bearbeitet | 54,17 € je Lead geteilt durch 12 % Abschlussquote | 451 € |
| Eigener Bestand | 179 € im Monat, ein gewonnener Auftrag im Monat genügt | 179 € |
Die Quoten sind Rechenbeispiele, keine Garantie. Setzen Sie Ihre eigenen Werte ein: Ihre Abschlussquote je Kanal kennt nur Ihr Büro. Der Rechenweg bleibt derselbe, und genau er gehört vor jede Budgetentscheidung.
CSV aus dem CRM, eine Zahl notieren. Ab 300 Kontakten lohnt der Ablauf.
Öffnungen, Klicks, Anfragen je Kontakt zusammenzählen. Checkliste im Arbeitsteil 1.
Kein Rundbrief. Die nächste Mail geht nur an Kontakte, zu denen das Objekt passt.
Preis, Lage, Zimmerzahl, Aktivität. Matrix im Arbeitsteil 2 ausfüllen.
48 Stunden Reaktionsfenster, dann die Anrufliste abarbeiten. Mit Bezug, ohne Skript.
Der Ablauf wird beim dritten Mal Routine. Ab dann trägt der Bestand jeden Monat.
Wenn Sie diese sechs Schritte einmal durchlaufen haben, wissen Sie mehr über Ihren Bestand als die meisten Büros je erfahren. Ab hier ist es keine Frage der Technik mehr, sondern der Wiederholung.
Je Kontakt: Aktionen der letzten 90 Tage abhaken, Punkte addieren, anhand der Schwellen unten entscheiden.
| Aktion | Punkte | |
|---|---|---|
| Exposé-Anfrage zu einem konkreten Objekt in den letzten 90 Tagen | 3 | |
| Antwort auf eine Objekt-Mail, etwa eine Rückfrage zu Preis oder Besichtigung | 3 | |
| Klick auf denselben Objekttyp in zwei aufeinanderfolgenden Mails | 3 | |
| Anruf oder Bitte um Rückruf nach einer Mail | 3 | |
| Suchprofil angelegt oder aktualisiert | 3 | |
| Dieselbe Objekt-Mail dreimal oder öfter geöffnet | 2 | |
| Klick auf Fotos oder Grundriss eines Objekts | 2 | |
| Vier der letzten fünf Mails geöffnet | 2 | |
| Eigene Daten aktualisiert, etwa neue Telefonnummer hinterlegt | 2 | |
| Newsletter-Anmeldung in den letzten 30 Tagen | 2 | |
| Einzelne Öffnung ohne Klick | 1 | |
| Klick auf einen allgemeinen Marktbericht | 1 | |
| Öffnung innerhalb der ersten Stunde nach Versand | 1 | |
| Seit über einem Jahr im Verteiler, nie abgemeldet | 1 | |
| Klick auf die Übersicht aller Objekte | 1 | |
| Weiterleitung der Mail, sofern messbar | 1 |
Für jedes neue Objekt einmal ausfüllen. Die letzte Spalte zeigt, wie viele Empfänger nach dem Filter übrig bleiben.
| Filter | Wert des Objekts | Spanne | Kontakte danach |
|---|---|---|---|
| Preis | ± 15 % | ||
| Lage | PLZ oder Umkreis | ||
| Zimmerzahl | ± 1 | ||
| Aktivität | Sortierung: 0 bis 90 Tage zuerst, dann 91 bis 365, dann Rest | ||
Die ersten 15 Sekunden:
Vier Fragen zur Einordnung:
1. Suchen Sie selbst oder entscheiden weitere Personen mit?
2. Was hat die Suche ausgelöst, und wie eilig ist sie?
3. Welche zwei oder drei Dinge muss das Objekt zwingend haben?
4. Wie weit sind Sie bei der Finanzierung?
Abschluss: immer ein konkreter nächster Schritt mit Datum. Besichtigung, Rückruf nach den Unterlagen oder ein Nein. Auch ein Nein ist ein Ergebnis: Es hält die Liste sauber.
Guten Tag [Vorname],
Sie suchen in [Ort] im Bereich um [Preisspanne]. Deshalb bekommen Sie dieses Objekt vor allen anderen zu sehen: eine Doppelhaushälfte mit fünf Zimmern, [Wohnfläche], Garten nach Süden, [zwei weitere Merkmale, die im Suchgebiet selten sind].
Die ersten Besichtigungstermine vergeben wir kommende Woche. Wenn Sie dabei sein möchten, genügt eine kurze Antwort auf diese Mail.
Objekt ansehenWarum diese Mail funktioniert: Sie begründet in einem Satz, warum genau dieser Empfänger sie bekommt. Sie nennt einen echten Zeitvorteil statt eines Rabatts. Und sie fordert eine kleine Handlung, keine Lebensentscheidung.
Sie haben jetzt alles, was Sie brauchen: die Signale, die Reihenfolge, das Match und die Vorlagen. Der Rest ist ein Nachmittag Arbeit und die Entscheidung, den eigenen Bestand ernst zu nehmen, bevor das nächste Budget in neue Kontakte geht.
Viel Erfolg mit Ihrem Bestand.
Niklas Bösch