Newsletter im Spam: die technische Checkliste für Maklerbüros 2026
Die erste Aussendung war raus und die Zahlen waren schlecht. Bevor du am Betreff schraubst, prüfe die technische Seite. Fünf Schritte, die entscheiden, ob deine Mail im Postfach landet.
Newsletter im Spam: Checkliste für Makler
Der erste Newsletter ist raus, und die Auswertung sieht aus, als hätte niemand ihn gesehen. Der erste Reflex ist der Betreff — die falsche Baustelle, solange die Technik nicht steht: Eine Mail, die der empfangende Server nicht einordnen kann, landet im Spamordner, egal wie gut sie geschrieben ist.
Stehen die vier DNS-Einträge?
Vier Einträge im DNS deiner Absenderdomain entscheiden, ob eine Mail überhaupt als „von dir“ gilt. Kein Feintuning, die Eintrittskarte.
SPF ist die Liste der Rechner, die für deine Domain senden dürfen. Fehlt sie, kann das empfangende Postfach nicht prüfen, ob die Mail von einem erlaubten Absender kam. Zwei SPF-Einträge sind schlimmer als keiner: Die Prüfung bricht ab, statt sich einen auszusuchen — der Fehler beim Wechsel des Versanddienstes, wenn der alte stehen bleibt.
DKIM ist die Unterschrift unter jeder Mail; ihr Schlüssel liegt im DNS. Fehlt er, gilt die Mail als unsigniert und besteht DMARC nur noch über SPF — über einen Weg statt über zwei.
DMARC sagt dem empfangenden Server, was mit einer Mail passieren
soll, die SPF und DKIM nicht besteht: zusehen, in den Spam legen oder
abweisen. Ohne DMARC entscheidet jedes Postfach selbst, und du erfährst
nichts davon. p=none steht zwar, verlangt aber nichts.
MX sagt, wohin Post an deine Absenderadresse geht. Mit Authentifizierung hat er nichts zu tun und ist trotzdem entscheidend: Wer auf deinen Newsletter antwortet — der Anruf, auf den du wartest —, schreibt an diese Domain. Ohne MX geht die Antwort ins Leere, und eine nicht erreichbare Absenderadresse ist bei Amazon SES ein Grund, ein Versandkonto zu sperren.
Messbar ist das in Sekunden. Die Zustellungsseite in Keystate fragt die
vier Einträge bei jedem Aufruf neu ab und zeigt neben jedem Befund die
Abfrage und den gefundenen Wert (app/zustellbarkeit.py:385-538,
Gesamturteil in :546-581). Achte auf den Unterschied zwischen „steht
nicht da“ und „Abfrage kam nicht durch“ (:38-44) — das eine ist ein
Befund, das andere keiner.
p=none.
Was du einträgst und was der Versanddienst mitbringt
Der Versanddienst liefert die Werte: den include-Teil für SPF und
die Namen und Ziele der DKIM-Einträge. Eintragen musst du sie bei deinem
Domainanbieter — Strato, IONOS, Cloudflare. DMARC und MX bringt kein
Versanddienst mit; beides sind Aussagen über deine Domain. Und die Namen
der DKIM-Einträge, die Selektoren, sind im DNS nicht auffindbar — man
muss sie kennen, um nachzusehen (app/zustellbarkeit.py:333-355). Frag
sie ab, bevor du sie brauchst.
Für Google ist das seit Februar 2024 Pflicht: SPF oder DKIM für jeden Absender, SPF und DKIM und DMARC plus Ein-Klick-Abmeldung ab 5.000 Nachrichten am Tag an Gmail-Adressen (Google, „Richtlinien für E-Mail-Absender“, Stand 2026). Dein Büro liegt weit darunter — die Filter unterscheiden aber nicht nach Bürogröße.
Warum die erste Aussendung nicht an 20.000 Leute geht
Ein empfangender Server bewertet Absender nach Erfahrung. Von einer Domain, die noch nie gesendet hat, hat er keine — und ein unbekannter Absender mit hohem Volumen sieht aus wie das, was Spamfilter erkennen sollen. Google sagt es so: Je mehr du senden willst, desto langsamer solltest du das Volumen erhöhen.
Als konkrete Kurve: 50 Mails am Tag zum Start, dann verdoppeln — 50,
100, 200, 400, 800, 1.600, 3.200, 6.400, 12.800, 25.600 —, alle drei Tage
eine Stufe (app/kontingent.py:85-86). Zehn Stufen zu drei Tagen sind
30 Tage, bis die volle Menge deines Pakets an einem Tag hinausgehen
darf. Entscheidend ist die zweite Bedingung: Eine Stufe steigt nur, wenn
die Menge der vorigen auch wirklich verschickt wurde (:323-335).
Reputation entsteht aus zugestellten Mails, nicht aus Wartezeit —
regelmäßige kleine Aussendungen bringen dich schneller nach oben als eine
große im Quartal.
Was danach gilt, ist das gebuchte Monatsvolumen: Wer 20.000 Mails im Monat hat und eine Liste mit 15.000 Kontakten, verschickt die an einem Tag. Eine Tagesgrenze darunter würde eine Ausgabe über acht Tage strecken — und am achten Tag sind die Objekte darin andere.
Was in jeder Mail stehen muss
Der Abmeldelink — sichtbar im Fuß und zusätzlich als Kopfzeile.
Gmail und Outlook zeigen neben dem Absender einen Abmeldeknopf, wenn die
Mail List-Unsubscribe und List-Unsubscribe-Post: List-Unsubscribe=One-Click trägt (RFC 8058). Deshalb willst du diese
Kopfzeilen: Wer sich nicht in einem Klick abmelden kann, drückt den
Spam-Knopf — der kostet Reputation, die Abmeldung nur eine Adresse. Ein
fehlender Abmeldelink ist in der Vorschau-Prüfung ein hartes „schlecht“
(app/web/seiten/mail.py:2011-2013); die Kopfzeilen setzt der
Versandweg bei jeder Mail (app/versand_worker.py:541-561).
Die Absenderangabe im Fuß — Name und Anschrift, § 5 DDG. Sie ist die
einzige Angabe, die den Versand tatsächlich sperrt: Ohne Fußzeile im
Profil lässt sich keine Aussendung anlegen (app/web/versand.py:378-381,
:424-428). Impressum- und Datenschutzlink warnen dagegen nur
(app/web/seiten/mail.py:2128-2136) — ein Fuß mit Anschrift trägt die
Anbieterkennzeichnung auch ohne Link. Trag trotzdem beides ein: Ein Fuß
lässt einen fehlenden Link ersatzlos weg, die Testmail sieht also fertig
aus.
Wer überhaupt angeschrieben werden darf, ist eine andere Frage — sie steht im Ratgeber DSGVO: Darf ich Interessenten Objekte schicken?.
Was Absender selbst kaputt machen
- Bilder ohne Text. Viele Postfächer laden Bilder nicht automatisch; ein Filter, der keinen Text findet, entscheidet im Zweifel gegen dich.
- Die ganze Mail als ein Bild. Das klassische Muster, um Werbetext an einer Textprüfung vorbeizuschmuggeln — auch versteckter Text per CSS zählt laut Google dazu.
- Anhänge. Ein PDF ist das häufigste Transportmittel für Schadsoftware; das Exposé gehört auf eine verlinkte Seite.
- Kurz-URLs. Sie verbergen ihr Ziel — Google verlangt sichtbare, verständliche Links im Nachrichtentext.
- Gekaufte Adressen. Sie haben nie zugestimmt, reagieren also mit dem Spam-Knopf statt mit dem Abmeldelink; Google sagt wörtlich, man solle keine Adressen von anderen Unternehmen kaufen.
- Alte Verteiler ohne Pflege. Adressen sterben, Firmen schließen: Ein jahrelang unbenutzter Verteiler produziert Unzustellbarkeit in Serie.
Neun Signale — und was du dagegen tust
| Signal | Was der empfangende Server liest | Was du tust |
|---|---|---|
| Kein SPF | „Ich kann nicht prüfen, wer senden durfte“ | include-Wert des Dienstes als TXT-Eintrag setzen |
| Zwei SPF-Einträge | „Widerspruch — Prüfung abgebrochen“ | Alten Eintrag löschen; es darf genau einer sein |
| DKIM fehlt | „Unsigniert — bleibt nur SPF“ | Selektoren erfragen, CNAME setzen |
DMARC p=none | „Der Absender verlangt nichts“ | Nach sauberen Wochen auf quarantine heben |
| Kein MX | „Nimmt keine Post an“ | MX auf ein gelesenes Postfach zeigen |
| 20.000 Mails am ersten Tag | „Unbekannter Absender, Massenvolumen“ | In Stufen anfahren, alle drei Tage verdoppeln |
| Kein Abmeldelink | „Wer nicht abmelden kann, drückt Spam“ | Link und List-Unsubscribe-Kopfzeilen |
| Ein Bild, kein Text | „Kein prüfbarer Inhalt“ | Kernaussage als Text, Bilder mit Alternativtext |
| Bounces in Serie | „Der kennt seine Empfänger nicht“ | Harte Bounces dauerhaft sperren |
Bounces und Beschwerden: ab wann wird es gefährlich
Die Bounce-Quote ist der Anteil der Sendeversuche, die nicht angenommen wurden. Ein harter Bounce heißt: Adresse existiert nicht — dauerhaft sperren. Ein weicher (Postfach voll, Server kurz weg) ist kein Grund zu sperren. Gerechnet wird gleitend über ein Fenster, nicht je Aussendung.
Amazon SES nennt für ein Versandkonto zwei Stufen: über 5 %
Unzustellbarkeit kommt es unter Beobachtung, über 10 % wird es pausiert;
bei Beschwerden 0,1 % und 0,5 % (so hinterlegt in
app/kontingent.py:101-103). Google verlangt, dass die in den
Postmaster Tools gemeldete Spamrate unter 0,3 % bleibt (Google,
„Richtlinien für E-Mail-Absender“, Stand 2026). Erst an der ersten Stufe
zu bremsen ist zu spät: Aus einer Beobachtung kommt man nur durch Wochen
mit sauberen Zahlen heraus, nicht durch Aufhören. Deshalb liegen die
eingebauten Not-Aus-Schwellen darunter — 4 % Unzustellbarkeit und
0,08 % Beschwerden über 30 Tage (app/kontingent.py:110-117), gewertet
erst ab 500 Mails (:123), weil ein einziger Empfänger bei 50 Mails
schon 2 % ist.
Rechne das nach: 0,08 % von 600 Empfängern ist weniger als eine halbe Beschwerde. Spielraum für einen Verteiler, dem du nicht traust, gibt es nicht.
Dein nächster Schritt
Nach Wirkung je Aufwand sortiert:
- Die vier DNS-Einträge messen lassen — nicht nachlesen, abfragen. Fehlt einer, ist alles andere Feintuning.
- Absenderangabe, Impressum- und Datenschutzlink im Profil eintragen.
- Die nächste Aussendung an die 200 Empfänger schicken, die dich am besten kennen — nicht an alle.
- Danach die Bounce-Quote ansehen und jede harte Unzustellbarkeit dauerhaft sperren.
- Erst dann am Betreff arbeiten.
Sind die Zahlen danach weiter schlecht, liegt es am Inhalt — dann ist die Arbeit am Betreff die richtige. Vorher misst du nur, wie gut ein Spamordner sein Handwerk versteht.