Was die Wertermittlung nicht kann
Wo die Einschätzung endet, warum sie kein Gutachten ist und welche zwei Pflichtangaben deines Büros an der öffentlichen Seite hängen.
Die Zahl aus dem Fragebogen ist eine Einschätzung auf Grundlage der Angaben, die ein Eigentümer selbst eingetippt hat. Sie ist kein Verkehrswertgutachten nach § 194 BauGB, sie ersetzt keine Besichtigung und sie begründet keinen Anspruch. Dieser Satz steht im PDF-Bericht, und zwar nicht im Kleingedruckten.
Das ist keine Absicherung, sondern die Wahrheit über das Verfahren: Vier Kacheln und fünf Zahlen sehen keinen Keller, keine Ölheizung und keinen Nachbarn.
Was das Modell nicht sieht
- Den Zustand von innen. Der Fragebogen kennt drei Stufen und vier Ausstattungsstufen, mehr nicht. Zwischen „gut erhalten” und „gut erhalten” liegen im Termin gerne 80.000 €.
- Rechte und Lasten. Wegerecht, Nießbrauch, Erbbaurecht, Denkmalschutz, Sanierungsgebiet. Nichts davon wird gefragt.
- Mietverhältnisse. Beim Mehrfamilienhaus fragt der Bogen die Jahresmiete, nicht die Laufzeiten und nicht, wer drin sitzt.
- Den Zuschnitt. Zwei Grundstücke mit 500 m² sind nicht dasselbe Grundstück.
- Ob die Angaben stimmen. Niemand prüft, ob die Wohnfläche gemessen oder geschätzt ist.
Deshalb steht im Bestätigungstext an den Eigentümer ausdrücklich die Bitte, sich zu melden, wenn eine Fläche oder ein Baujahr nicht stimmt. Ihr korrigiert das, bevor über den Wert gesprochen wird.
Grundstücke bekommen keine Zahl
Nie, auch nicht mit angebundener Datenquelle. Beim Grundstück erhebt der Fragebogen nur die Größe, und daraus lässt sich kein Wert bilden, den du vertreten kannst. Auf der Kachel steht deshalb von Anfang an „Kein Sofortergebnis”, und wer „nicht bebaubar” auswählt, bekommt auch später keine Zahl: Bauerwartungsland ohne Baurecht ist Spekulation, keine Bewertung.
Niemand prüft, wem das Haus gehört
Das Formular steht offen im Netz und verlangt keinen Nachweis, dass die eingetippte Adresse dem Eintragenden gehört. „Antwort auf eine eigene Anfrage” ist damit eine Behauptung des Formulars, kein Beleg.
Zwei Folgen davon sind eingebaut:
- Die Bestätigungsmail an den Eigentümer läuft trotzdem über die Sperrliste. Steht die Adresse dort, geht keine Mail hinaus, und der Vorgang wird protokolliert. Wer nach einem Widerruf wirklich eine Bewertung will, bekommt sie von dir persönlich.
- Anfragen ohne Kontaktdaten enthalten eine Adresse ohne Einwilligung. Deshalb siehst du sie nur als Zahl, und nach 90 Tagen räumt Keystate Adresse und IP daraus weg.
Zwei Pflichtangaben hängen an der Seite
Auf der öffentlichen Seite steht der Name deines Büros, und gefragt wird nach der Anschrift eines Objekts und der Telefonnummer seines Eigentümers. Damit gelten § 5 DDG und Art. 13 DSGVO, und zwar für dich:
- Impressum, hinterlegt unter Einstellungen
- Datenschutzerklärung, ebenfalls dort
Fehlt eine der beiden, bleibt die Seite online, und der Befund steht in der Oberfläche unter Wertermittlung. Sie zu sperren wäre die falsche Antwort: Der Rahmen hängt schon auf deiner Website, der Link steht auf Flyern und in Mailsignaturen, und eine Seite, die dort plötzlich eine Fehlermeldung zeigt, kostet dich die Aufträge, die sie bringen soll.
Was nicht hinterlegt ist, fällt aus dem Fuß heraus. Ein Link auf # oder ein
leeres Ziel wäre die schlechteste Lösung: Er sieht wie die Pflichtangabe aus und
ist keine.
Im Fuß stehen zwei Rollen, weil es zwei gibt: Anbieter der Seite ist Keystate, weil sie auf unserer Domain läuft. Verantwortlich für die Angaben des Eigentümers bist du. Wir sind dort dein Auftragsverarbeiter.
Die Reihenfolge ist keine Geschmacksfrage
Erst die Zahl, dann die Kontaktdaten. Wer mit einem Rechner wirbt und zuerst Daten verlangt, wirbt irreführend nach § 5 UWG. Das Landgericht Berlin hat das am 14.09.2021 entschieden (Az. 103 O 69/20), und abgemahnt würde nicht Keystate, sondern dein Büro. Deshalb gibt es keinen Schalter, der die Reihenfolge dreht. Es gab einmal einen Entwurf dafür. Er ist ausgebaut worden.
Was der Bericht verspricht
Der Bericht sagt dem Eigentümer, dass sich jemand persönlich meldet. Er nennt dafür bewusst keine Stundenzahl. Eine hier erfundene Frist wäre eine Zusage, von der im Büro niemand weiß.